Romantische Liebe: Ideal oder Illusion für Beziehungen?
Shownotes
Romantische Liebe – Ideal oder Illusion?
Schmetterlinge im Bauch. Die eine, richtige Person. Leidenschaft, die nie nachlässt. Wir alle kennen diese Versprechen. Aber was passiert, wenn der Alltag beginnt und das große Gefühl sich verändert? In dieser ersten Episode gehen wir der romantischen Liebe auf den Grund. Wir fragen, woher das Ideal kommt, was es verspricht und warum es in langjährigen Beziehungen oft zur Belastung wird.
Themen dieser Episode Warum lohnt es sich, über Liebe nachzudenken? 40 Prozent aller Ehen werden geschieden. Hunderte Ratgeber widersprechen sich gegenseitig. Und in langjährigen Beziehungen verändert sich das große Gefühl unweigerlich. Was steckt dahinter? Was ist romantische Liebe überhaupt? Seelenverwandtschaft, ewige Leidenschaft, der Partner als bester Freund, Liebhaber und Spiegel der eigenen Identität zugleich. Wir schauen genau hin, welche Versprechen das Ideal der romantischen Liebe in sich trägt. Was passiert in unserem Körper, wenn wir uns verlieben? Dopamin, Phenylethylamin, Oxytocin: Die Neurochemie der Verliebtheit erklärt, warum sich die richtige Liebe so anfühlt wie sie sich anfühlt – und warum dieser Zustand nicht dauerhaft anhalten kann. Was sich in langjährigen Beziehungen verändert Kommunikation, körperliche Nähe, Erwartungen: Warum der Übergang von der Verliebtheit zur dauerhaften Bindung so viele Paare in die Krise führt – und was das wirklich bedeutet. Woher kommt das Ideal der romantischen Liebe? Von Tristan und Isolde über Goethes Werther bis hin zu Pretty Woman und den Dating Apps unserer Zeit. Die Kulturgeschichte der romantischen Liebe zeigt, wie ein Mythos entstand und wie er unsere Erwartungen bis heute prägt. Wo stehen wir heute? Zwischen dem ungebrochenen Wunsch nach der großen Liebe und einer Moderne mit unendlich vielen Möglichkeiten, Algorithmen und wachsender Orientierungslosigkeit.
Erwähnte Personen und Quellen Richard David Precht, Philosoph und Autor, zum Versprechen der romantischen Liebe Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, zur Spannung zwischen Begehren und Liebe Eva Illouz, Soziologin, zur romantischen Liebe als absolutem, religiös geprägtem Ideal Caspar David Friedrich, Maler der Romantik, Gemälde "Der Wanderer über dem Nebelmeer" Friedrich Schlegel, Lucinde, einer der ersten freizügigen Liebesromane der deutschen Literatur Johann Wolfgang von Goethe, Die Leiden des jungen Werthers Jean-Jacques Rousseau, Julie oder Die neue Héloïse, Wegbereiter der Romantik
Über den Podcast Romantische Liebe gilt als Beziehungsideal unserer Zeit. Aber hält dieses Ideal, was es verspricht? In diesem Podcast nehmen wir die romantische Liebe unter die Lupe – woher sie kommt, was sie verspricht und warum sie in langen Beziehungen oft zur Belastung wird. Mit Blick auf Philosophie, Neurochemie und Kulturgeschichte fragen wir: Ist romantische Liebe ein Geschenk oder ein Mythos, der uns im Stich lässt? Für alle, die Liebe nicht nur fühlen, sondern auch verstehen wollen.
Über Josef Konrad Hermann Josef Konrad Hermann ist Akademischer Philosophischer Praktiker und Gründer von Mein Philosoph. Er begleitet Menschen dabei, philosophische Fragen auf ihr eigenes Leben anzuwenden – klar, zugänglich und immer mit Bezug zur gelebten Erfahrung. www.meinphilosoph.de
Transkript anzeigen
00:00:00: Willkommen bei meinem heutigen Podcast, bei dem es um die romantische Liebe geht und genau um die Frage ob sie als ideal für langfristige Beziehungen taugt oder ob die Vorstellungen diese vermittelt eher Illusionen sind und hinterlich für Zufriedenheit in der Beziehung.
00:00:20: Grundsätzlich stellt sich natürlich zuerst die Frage, ob es überhaupt Sinn macht, sich theoretisch mit Liebe auseinanderzusetzen?
00:00:28: Ich denke ja!
00:00:29: Denn zum einen sprechen die Zahlen für sich.
00:00:32: Ca.
00:00:33: vierzig Prozent aller jene in Deutschland und Österreich werden geschieden, und zum anderen wer sich heute in einer Buchhandlung zum Thema Liebe oder Beziehung informieren möchte findet eine schwindlerregende Auswahl an Büchern – und zwar aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen wie zb Psychologie, Lebensberatung Neurobiologie, Neurochemie oder Soziologie.
00:00:58: Das zeigt, dass der Bedarf an Informationen in diesem Gebiet hoch ist.
00:01:04: Und bei vielen von uns gibt es auch einen ganz praktischen Grund genauer hinzuschauen – nämlich die eigene Lebenserfahrung!
00:01:12: Die meisten von uns kennen das große Gefühl der Verliebtheit und auch wie es sich verändert in einer langjährigen Beziehung.
00:01:21: Und diese Veränderungen sind unweigerlich.
00:01:24: Die Schmetterlinge lassen nach... ...die anfängliche Leidenschaft wandelt sich… Der andere Mensch wird vertrauter alltäglicher, manchmal auch fremder als erwartet.
00:01:35: Und viele von uns erleben diesen Wandel als Scheitern – als Zeichen das die Liebe vorbei ist oder dass man sich vielleicht gar in der Person geirrt hat!
00:01:45: Aber was wenn dieser Wandel gar kein Scheittern isst?
00:01:48: Was, wenn er zum Wesen der Liebe gehört, wir uns aber von überzogenen Vorstellungen leiten lassen, die auf den Narrativen?
00:02:00: Genau das wollen wir in diesem Podcast herausfinden.
00:02:03: Am Mikrofon josefkonradhermann von meinphilosof.de.
00:02:11: Genauer gesagt, wollen wir die Fragen klären Was sind eigentlich die Vorstellungen?
00:02:16: Die wir mit einem Beziehungskonzept verbinden Das auf der romantischen Liebe beruht?
00:02:22: Und wie sind diese Vorstellungs in unsere Gesellschaft gekommen?
00:02:28: Wie sind sie Teil unseres Denkens geworden?
00:02:32: Richard David Precht hat es einmal so formuliert.
00:02:35: Das Versprechen der romantischen Liebe ist Geborgenheit und Aufregung, und Sex ein Leben lang mit einem einzigen Partner.
00:02:45: Und dann fügt er hinzu – das geht nicht!
00:02:48: Der Grund ist als die Idee geboren wurde was sie nicht ernst gemeint.
00:02:53: Sie entstand als Fiktion, als Geschichte, als Roman Teil unseres Denkens wurde, schauen wir uns jetzt als erstes genauer an.
00:03:09: Die Liebe selbst und die Geschichten darüber sind natürlich so alt wie die Menschheit.
00:03:15: Die romantische Liebe dagegen, die sich für Menschen unserer Zeit als selbstverständlich anfühlt – so als wäre es schon immer da gewesen – ist tatsächlich überraschend jung!
00:03:26: Die Idee wurde im achtzehnt-und neunzehnten Jahrhundert in der kulturgeschichtlichen Epoche der Romante geschaffen Und von dieser Epoche der Romantik leitert sich auch der Name romantische Liebe ab.
00:03:39: Die großen Libos-Geschichten vor der Romantic spiegelten die realen Lebenssituationen wieder, in der Libos heiraten kein Thema waren – weder beim Adl noch beim normalen Volk.
00:03:52: Sie spielten sich deshalb immer außerhalb von Beziehungen ab und änderten tragisch.
00:03:57: Zum Beispiel Mittelalter Tristan und die Solle.
00:04:01: Tristan war ein junger Ritter, der von seinem König von Kornwollen nach Irland geschickt wurde und die schöne Isolde als die Braut des Königs zu ihm zu holen.
00:04:13: Auf dem langen Weg trinken sie einen Liebestrank, der sich unsterblich ineinander verlieben lässt.
00:04:19: Isolde heiratert nach der Ankunft in Kornwall natürlich trotzdem den König.
00:04:24: Führte aber eine Liebesbeziehung mit Tristan weiter.
00:04:28: Diese fliegt auf – Tristan wird verbandt und kehrte erst Jahre später kurz vor seinem Tod zurück.
00:04:35: Und die Säule stirbt schließlich an seinem Grab.
00:04:39: Also in dieser Geschichte ist Liebe Schicksal, sie trinken einen Zaubertrank.
00:04:44: Die Liebe ist verboten... ...und der Tod ist die Erfüllung.
00:04:49: Ähnlich in der wohl berühmtersten Liebersgeschichte In Romeo & Julia.
00:04:55: Hier verlieben sich Julia und Romeo in Verona auf den ersten Blick ineinander.
00:05:00: Sie stammen jedoch von verfeinderten Familien ab was eine Beziehung unmöglich macht.
00:05:06: Trotzdem treffen sie sich heimlich, bis Romeo nach einem tödlichen Duell verbannt wird und Julia die zwangsverheiratet werden soll simuliert ihren Tod indem sie etwas trinkt dass sie scheint tot werden lässt.
00:05:20: Romeo der den Plan nicht kennt nimmt sich also von ihrem vermeintlichen Tod erfährt das Leben Und Julia als sie wieder erwacht und Romeo todzieht begeht ebenfalls Selbstmord.
00:05:34: Also auch hier haben wir die Faktoren jugendliche Leidenschaft, familiäre Zwänge, die eine Beziehung unmöglich machen und schliesslich als Ausweg den Tod.
00:05:46: Auch in Chauchat-Grussauß brief Roman Julli und Goethe's.
00:05:50: Die Leiden des jungen Werter verhinderten gesellschaftlichen Normen und familiäre Verpflichtungen, die leidenschaftlichen Liebesbeziehungen und änderten mit dem Tod.
00:06:02: Und dann erschien Ende des achtzehnten Jahrhunderts, also zu Beginn der Epoche der Romantik in Berlin der Romanlozinde von Friedrich Schlegel.
00:06:13: Dieser Roman war ein absoluter Skandal weil er neben seiner Freizügigkeit die gesellschaftliche Ordnung und die bürgerliche Ehe infrage stellte.
00:06:24: Die leidenschaftliche Lozinde verlässt ihren langweiligen Ehemann um mit ihrem jugendlichen Liebhaber in Freiheit und Leidenschaft zu leben.
00:06:35: Allerdings auch in dieser Geschichte ändert die Beziehung nach einigen Monaten bereits wieder mit dem Tod von Luzende, denn der Romantik war die Vergänglichkeit der leidenschaftlichen Beziehungen noch sehr wohl bewusst.
00:06:50: Dann aber im neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert verändert es sich entscheidenderes.
00:06:56: Industrielle Druckerpressen machten Bücher erschwinglich.
00:07:01: Nicht mehr nur der Adl und das Großbürgertum konnten sie sich leisten, sondern das gesamte Bürgertom.
00:07:07: Und es entstand für diese spezielle – heute würden wir sagen Zielgruppe – spezielle Literatur unter anderem für Frauen geschrieben in Liebersgeschichten die teilweise als Heftchen wöffentlich erschienen und aus Julia Romani oder Groschen Romane bekannt
00:07:25: sind.".
00:07:26: Und diese Geschichten änderten plötzlich nicht mehr mit dem Tod, sondern folgten einem stereotypen Muster aus Romantik-Alltagsproblemen und Happy End.
00:07:37: Und waren somit ganz anders als der tatsächliche Alltag!
00:07:42: Erschaffen war ein optimistisches Klischee auf das Bild der Liebe – das was wir heute als romantische Liebe bezeichnen.
00:07:50: Das ist es, was Richard David Precht meint wenn er sagt dass die romantischen Liebe nicht ernst gemein war.
00:07:57: Sie hatte einen Ausgangspunkt als Fiktion in groschen Romanen.
00:08:02: Trotzdem waren auch in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts Liebesheiraten noch die absolute Ausnahme.
00:08:11: Diese änderte sich erst in der zweiten Hälfe des Zwanzigste Jahrhunders, als die aufkommende Marktwirtschaft mit ihrer Werbemaschinerie das Ideal der romantischen Liebe genauso begeistert Aufgriff wie die aufstrebende Filmindustrie – die zudem nicht mehr nur das Bürgertum sondern die gesamte Gesellschaft bediente.
00:08:31: Filme wie Pretty Woman oder Notting Hill erzählen im Kern immer dieselbe Geschichte, zwei Menschen, die füreinander bestimmt sind finden gegen alle Widerstände zueinander und retten sich gegenseitig.
00:08:45: allerdings enden die Filme an dieser Stelle dann auch immer am Anfang einer Beziehung bei der Heirat.
00:08:51: was danach kommt wurde nie thematisiert.
00:08:54: diese Massenverbreitung der Idee der romantischen Liebe traf in den Sechzigerjahren auf gravierende Veränderungen bei den fundamentalen Grundlagen von Beziehungen.
00:09:07: Mit den Gleichstellungsgesetzen wurde die Schlüsselgewalt des Mannes in der Ehe abgeschafft, verheiratete Frauen konnten Mied- und Arbeitsverträge abschließen – und das Verschuldungsprinzip bei Scheidungen wurde in das Zerrüttungsprinzip geändert.
00:09:23: Schwangerschaftsabbrüche wurden legalisiert und die Pille
00:09:27: zugelassen.".
00:09:29: Männer und Frauen waren endlich rechtlich gleichberechtigt.
00:09:32: Sie fanden sich allerdings auf einem freien Markt der Liebe wieder, auf dem nach den Regeln der romantischen Liebe gespielt wird Und die Folgen dieser Entwicklung waren und sind tiefgreifend.
00:09:45: Die romantische Liebe infiltrierte das bürgerliche Familienmodell und wurde zum gesellschaftlichen Maßstab für ein gelungenes Leben.
00:09:55: Liebe wurde zu einer Institution Als besser verstehen zu können, warum die Idee der romantischen Liebe so erfolgreich war, hilft es sich zur Frage was wir mit ihr verbinden?
00:10:08: Welche Bilder und Vorstellungen wir von ihr haben.
00:10:13: Und die meisten von uns werden ohne länger nachdenken zu müssen offensichtliche Elemente der Romantischen Liebe nennen können.
00:10:21: Das wäre zum einen dass wir unseren Partner selbst wählen ganz ohne äußere Zwänge durch Familie oder Gesellschaft Zum anderen, dass es den einen, den richtigen Menschen gibt.
00:10:33: Und wenn wir den gefunden haben?
00:10:35: Dann ist da ein Gefühl!
00:10:37: Ein Mix aus Leidenschaft, Geborgenheit Aufregung und Selbstverständlichkeit Unglaublich stark So stark das es uns durch das ganze Leben trägt.
00:10:48: Dieses Gefühl ist das was wir häufig als Liebe bezeichnen und von Liebe erwarten.
00:10:56: Allerdings stoßen wir hier auf ein erstes großes Missverständnis.
00:11:00: Dieser starke Gefühl hat nämlich eine biochemische Grundlage, verbunden mit einer zwangsläufigen Folge.
00:11:08: In der Kennenlernen- und Verliebtheitsphase zweier Menschen passiert etwas Außergewöhnliches in unserem Körper.
00:11:16: Adrenalin und vor allem Dopamin auf der einen Seite sorgen für Energie-, Aufregung- und Belohnungsgefühle.
00:11:23: Wir haben Schmetterlinge im Bauch ein klopfen das Herz und machen verrückte Dinge.
00:11:29: Gleichzeitig fällt auf der anderen Seite der Serotonin-Spiegel, was zu einer fast obsessiven Fokussierung auf den anderen Menschen führt.
00:11:38: Man denkt ständig an ihn oder sie wird schier verrückt wenn man keine Antwort erhält und die Welt erscheint in einem rosaroten Licht.
00:11:47: Dafür dass diese beiden Bodenstoffe gleichzeitig auf diesem außergewöhnlichen Niveau bleiben können sorgt eine Substanz namens phenyl ethylamine PEA dem Gehirn erzeugt wird.
00:12:00: Und das Ergebnis ist ein Zustand, dem unser Bild von romantischer Liebe eben perfekt entspricht.
00:12:07: Die Verliebtheitsphase fühlt sich also genauso an wie wir uns echte Liebe vorstellen und genau deshalb glauben wir so muss Liebe sein und dass es die richtige Person.
00:12:18: Das Problem ist nur dieser Zustand hält nicht an.
00:12:22: Er dauert in der Regel sechs Monate maximal zwei bis zweieinhalb Jahre.
00:12:27: Spätestens dann muss sich der Körper wieder in einen Ausgleich bringen.
00:12:31: Die Produktion von PEA nimmt ab und Dopamin- und Serotonin pendelt sich auf normalen Niveau ein, und das ist dringend erforderlich, weil sonst ernsthafte gesundheitliche Probleme die Folge wären – Erschöpfungszustände, Manieren, Depressionen, ähnlich wie bei der Einnahme von MDMA würden auftreten.
00:12:52: Stattdessen gewinnen andere Botenstoffe wie Oxytocin an Bedeutung die für ein tiefes Gefühl von Vertrauen, Sicherheit und emotionaler Bindung sorgen.
00:13:04: Dies ist der Übergang von leidenschaftlicher Verliebtheit zu einer reiferen stabileren Liebe in der allerdings auch der Alltag der Beziehung bewusster wird und sich die Wahrnehmung des anderen verändert.
00:13:16: Die rosa-rote Brille fällt weg – die Fixierung auf den Anderen lässt nach.
00:13:22: Was vorher die süße Zahnlücke war, wird plötzlich zur fehlenden Zahnspange.
00:13:26: aus der Kindheit Evolutionär Betrachter macht dieser Ablauf auch absolut Sinn.
00:13:33: Leidenschaft, Risikopereitschaft und Fixierung in der Anfangsphase garantieren die Fortpflanzung – und die anschließende Stabilität die Aufzucht des Nachwuchses.
00:13:44: Siegmund Freud hat das bereits neunzehnundzwölf Treffen beschrieben.
00:13:49: Wo das Begehren ist, es keine Liebe!
00:13:51: Und wo die Liebe ist, ist kein Begehern mehr.
00:13:55: Unter der Erwartungshaltung der romantischen Liebe aber Also der Erwartung einer dauerhaften Leidenschaft und Verliebtheit ist das allerdings eine gefährliche Veränderung für die Beziehung, wenn ich mir ihr nicht bewusst bin.
00:14:10: Der Romanticismus hat aber oft noch viel subtilere Bilder in uns eingepflanzt über die die meisten von uns noch nicht wirklich nachgedacht haben – und die uns daher gar nicht so deutlich bewusst sind!
00:14:23: Und vielleicht lohnt es sich für dich bei den Punkten, die ich jetzt anspreche, nachzudenken welche du in deinem eigenen Bild von Liebe wiedererkennst und welche davon deine Erwartungen an Beziehungen prägen.
00:14:38: In den Vorstellungen der romantischen Liebe werden wir ja quasi übermandt, sie kommt über uns trifft uns wie ein Blitz ist also etwas völlig irrationales.
00:14:49: da sind Tristan und die Solle plakativ mit dem trinken des Zaubertranks beschrieben wurde es ist die Dopamin- und Serotoninphase.
00:15:00: Dies kann dazu führen, dass für den Fall das die Kennenlernphase nicht so intensiv erlebt wird Zweifel bleiben ob das dann überhaupt richtige Liebe ist.
00:15:11: Und da sowohl die reife stabile Beziehung Stichwort Oxytocin ganz andere Gefühle für einen viel längeren Zeitraum erfordert.
00:15:20: Oft stößt man auch auf der Erwartung Dass wenn man die eine die richtige Person gefunden hat Die Liebe dann ganz einfach ist.
00:15:30: Liebe muss doch leicht sein, ist das Credo.
00:15:33: Anstatt sich als Prozess anzusehen der eben auch Kommunikation und bewusste Handlungen erfordert.
00:15:42: Auch die immer wieder auftauchende Vorstellung dass sie zwei zusammen kommenden Menschen sich so ergänzen Dass sie zusammen mehr sind als die Summe ihrer Teile Eins plus eins ist dann eben nicht zwei sondern drei.
00:15:57: dass ihre ganze Menschlichkeit erst durch diese romantische Partnerschaft entfaltet wird, wäre kritisch zu hinterfragen.
00:16:05: Romantische Liebe beinhaltet nämlich eine Vorstellung von Einzigartigkeit und Exklusivität, von Beständigkeit und Ewigkeit – sie fordert eine absolute Liebe ein!
00:16:18: Und damit wird sie völlig überhöht was in Kontext unserer christlichen Prägung gar nicht verwunderlich ist.
00:16:26: Die bekannte Soziologin Eva Illus betont immer wieder die Ähnlichkeit der Vorstellungen der romantischen Liebe zur Liebe der Gläubigen zu Gott.
00:16:38: Ein weiteres Bild der Romantischen Liebe ist die Vorstellung der Seelenverwandtschaft der beiden Liebenden, diese impliziert unter anderem dass zwischen ihnen zur Verständigung keine Worte nötig sind.
00:16:52: Vielmehr wird angenommen das der Partner die Gedanken wie selbstverständlich erkennt er sie quasi von den Augen abliest.
00:17:01: Mit der Folge, dass Zweifler an der Liebe aufkommen sobald die Realität zeigt das es eben kein blindes Verständnis gibt sondern Worte nötig sind.
00:17:12: überhaupt sollte man sich der Erwartungen an dem Partner bewusst sein.
00:17:17: in der romantischen Liebe soll er oder Sie emotionaler Vertrauter bester Freund Liebhabern Kooperationspartner und spiegelt der eigenen Identität sein.
00:17:31: Alles in einer Person!
00:17:34: Der Partner wird so zum Ort der Selbstverwirklichung, die Liebe zum Identitätsprojekt stillisiert – damit wird ihr häufig eine Last aufgebürdert, die eine Beziehung dauerhaft kaum tragen kann.
00:17:51: Abschließend komme ich auf unsere Ausgangsfrage zurück.
00:17:54: Ob die romantische Liebe als Ideal für langfristige Beziehungen taugt oder ob sie doch eher eine Illusion ist, die unter anderem die hohen Trennungsquoten auch sich zieht.
00:18:08: In einer kleinen Zeitreise haben wir dabei ihre Entstehung in der Epoche der Romantik als Fiktion herausgestellt und Ihre Verbreitung und Verfestigung als gesellschaftliches Ideal bis in unsere heutige Zeit verfolgt.
00:18:24: Wir haben biochemische Prozesse besprochen Die oberflächlich betrachtet unsere Vorstellungen wie Liebe sich anfühlen soll bestätigen, aber auch deren Endlichkeit herausgestellt.
00:18:38: Und schließlich haben wir verschiedene Narrative der romantischen Liebe die unsere Vorstellungen von einer Liebersbeziehung prägen und die uns vielleicht noch nicht einmal bewusst sind kritisch betrachtete.
00:18:54: Ich denke das ist deutlich geworden dass es nicht darum geht Beziehungen aus Liebe in Zweifel zu ziehen oder die freie Partnerwahl.
00:19:03: Diesen Annahmann begegnet zu Beginn vieler Gespräche und Diskussionen zu diesem Thema immer wieder.
00:19:10: Vielmehr geht es darum, sich seiner eigenen Erwartungen an Beziehungen im Kontext des Wissens um die Idealisierung bei der romantischen Liebe klarzuwerden, um dadurch dann eventuell dauerhaft eine liebende Beziehung führen zu können – ich jedenfalls wünsche es uns allen!
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